Leserbrief von Erica Willi-Castelberg, November 2011
Das Budget der Stadt Arbon sieht Einnahmen von Fr. 385'000.- für feste Abfallgebühren vor. Diese sollen zusätzlich zu den Sackgebühren erhoben werden: pro Wohnung Fr. 60.- und pro Gewerbebetrieb, Vereinslokal etc. Fr. 80.-.
Feste Grundgebühren sind an und für sich nichts Neues. Bis Ende der 80er Jahre kannte man nur eine allgemeine Gebühr pro Haushalt. Mit zunehmenden Abfallbergen wurde der Ruf nach dem „Verursacherprinzip“ laut. Jeder und jede zahlt, was sie oder er verursacht! Die Idee von Abfallmarken und Sackgebühren kam auf und bei vielen Volksabstimmungen sogar durch. Die Einsicht, dass es nicht mehr so weitergehen könne, war mehrheitsfähig. Das „Abfallbewusstsein“ wuchs. Die Wirtschaft begann, Verpackungen von Alltagswaren zu minimieren. Die Konsumierenden entwickelten sich zu wahren Recycling-Profis, so dass wir in der Schweiz weltweit die höchste Recycling-Quote aufweisen.
Deshalb betrachte ich die Idee des Stadtrates, zusätzlich wieder eine Grundgebühr anzuschaffen, als Rückschritt. Es ist die schleichende Einführung einer neuen Belastung für alle, egal wie sie sich verhalten und verwässert das Verursacherprinzip. Es wurde in den letzten Jahren mit der grossen Kelle angerührt, wenn es um Umgestaltungen und Bauvorhaben ging. Jetzt auf diese Weise das Loch stopfen zu wollen, ist unklug, unsozial und ungerecht. Die Säuberung von öffentlichen Plätzen und Rückgabestellen ist zweifelsfrei eine Aufgabe der Gemeinde – berappt durch Steuergelder, welche einen Sozialfaktor in sich tragen (Progression). Und dies unabhängig davon, was andere Gemeinden tun oder was Kanton und Bund empfehlen. Wir dürfen gespannt sein, ob unsere Parlamentarier am 6. Dezember wirklich zu Gunsten der Bevölkerungsmehrheit nein stimmen, oder ob sie sich und uns vom Stadtrat diese neue Gebühr aufbrummen lassen.